Mietzinserpressung

Erpressung, eine Tradition: Wer Geld will ohne Arbeit, stellt sich mit einer Flinte neben die Brücke und verlangt von jedem Durchreisenden Geld. ('Wegelagerei') Man konnte sich so etwas auch vom Landesherrn als Privileg geben lassen. ('Zollrecht') Dann hatte man das Monopol und konnte Konkurrenten und Zahlungsunwillige einfach verklagen. (Flinte eingespart)

Erpressung, die Ausnutzung von Notlagen und Grundbedürfnissen, wurde das zentrale Erfolgsmodell des Menschenausraubens im Kapitalismus.

Erpressung im Stil der neuen Zeit

Die deutschen Haushalte wohnen zu 50% in Mietwohnungen. Also ist Mietzinswucher die Adlerklasse der Erpressung. Eine kurze Stilkunde:

Klassiker 'Rentier'

In der Wohnungsnot der Industrialisierung baute mancher von seinem Erbe eine Mietskaserne und konnte dann sein Leben lang von den Mieteinnahmen weit oberhalb der Kosten arbeitsfrei und in Wohlstand leben. Solch Dauerhausbau (unser geliebter Altbau!) gilt mittlerweile als völlig renditelahm.

Umwandlung in 'Eigentum'

Die Enkel wollen das schnelle Geld und verkaufen diese Altbauwohnungen zu Wohnungsnot-Wucherpreisen an Kleinanleger. Die verdoppeln dann die Mieten oder tauschen die Alteingesessenen mit dem Eigenbedarf-Trick gegen Hochverdiener aus.

Quartier-Hai

Heute bringen Großaufkäufer ganze Altbau-Quartier in ihren Besitz, um mit Pseudosanierung die Mieten in die Höhe zu treiben bzw. die Mieter 'auszutauschen'. Die Hausverwaltungen werden auf gelegentliches Rohrbruchflicken reduziert.

Heuschrecken

Die Ecstasy-Variante: Wohnkästen werden im Planungsstadium an Kleinanleger verkauft und damit der Schnellbeton finanziert. Diese Pseudo-Investoren sind bei Schlüsselübergabe (oder Insolvenz) mit dem Gewinn schon lange weitergezogen. Die Wohnungskäufer sind nur Sekundär-Investoren, die hoffen, das Geld langfristig von den Mietern zurück zu erpressen. Allerdings müssen sie für die Kosten des schnellen Verfalls alleine aufkommen. Beraubte Räuber, kein Mitleid.

Kurze schwere Krankheit

Der Mietwucher zerstört mit astronomischen Gewerbemieten Gastronomie und Einzelhandel. Das Stück Kuchen für 5.80,-€ enthält deutlich mehr Mietzins als Zucker und Mehl. Handwerker, Mittelstandsunternehmen, gerade Gründer fliehen in den äußeren Speckgürtel bzw. in die Insolvenz.

Die Pyramide der Zinserpresser zerstört die Stadt wie ein Krebsgeschwür. Jede große oder kleine Zelle will gierig wuchern und strebt nach Wachstum um jeden Preis. Für die Sozialstruktur der Stadt ist es eine Krankheit zum Tode. Solange die Regierungsstrukturen die Mietzinserpressung nicht unterbinden, sondern gezielt fördern, ist jede Therapie zum Scheitern verurteilt.

Fazit

Mietzinserpressung ist kein Kavaliersdelikt, kein 'Übertreiben in wichtiger Funktion', keine unangenehme Nebenwirkung notwendiger Wirtschaftsformen.

Nichts an ihr ist notwendig, nichts an ihr ist legitim, und sie schafft für die Mieter keinerlei Vorteil.

Sie ist einfach ein Verbrechen von Menschen, die ihre Mitmenschen ausrauben.

Wenn sie verboten wird, wird nichts schlechter, aber alles gerechter und natürlich billiger.

Wer Mietzinsen über die durch menschliche Arbeit legitimierten Kosten hinaus erhebt und sich aneignet, ist strafrechtlich ein Erpresser:

StGB § 253 Erpressung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung einer Erpressung verbunden hat.